Wachstum der niederländischen Chemiebranche flacht ab

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Drohende CO2-Steuer sorgt für Unsicherheit

Die stark international ausgerichtete niederländische Chemiebranche befindet sich in schwierigem Fahrwasser. Die Konjunkturabschwächung in Europa sowie die weltweiten Handelskonflikte bremsen die Dynamik des Sektors. Immerhin geht der Großteil der in den Niederlanden produzierten Chemieprodukten ins Ausland. Direkt und indirekt ist der Sektor laut Angaben der ING Bank zu etwa 90 Prozent vom Ausland abhängig. Etwa drei Viertel der Exporte gehen in die EU. Durch globalisierte Produktketten finden sich chemische Halbfertigerzeugnisse allerdings in Produkten mit Abnehmermärkten auf der ganzen Welt.

Experten gehen davon aus, dass sich die Produktion des Sektors 2019 stabilisieren soll und 2020 minimal steigen dürfte. Im laufenden Jahr eröffnen neue Produktionsstätten, die einen positiven Beitrag zur Entwicklung liefern. So eröffnet Yara eine neue Fabrik für Kunststoffgranulat, Teijn-Aramid investiert in die Produktion in Emmen und Sabic plant die Wiedereröffnung einer Anlage für Kunststoffprodukte in Bergen op Zoom.

Auch die Entwicklungen rund um den Brexit beeinflussen die Branche. Das Vereinigte Königreich ist mit einem Marktanteil von 8 Prozent das viert wichtigste Exportland des niederländischen Chemiesektors. Vor allem Rohstoffe für die Pharmaindustrie werden dorthin exportiert (30 Prozent der Ausfuhren). Die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich waren 2018, im Gegensatz zu denen in andere europäische Länder, rückläufig. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner.

Die seitens der Regierung angestrebte Energiewende ist ein wichtiges Thema für die chemische Industrie. Produktionsprozesse sollen energieeffizienter und Rohstoffe sowie Produkte umweltfreundlicher werden. Das im Juli 2019 veröffentlichte Klimaabkommen sieht eine nationale CO2-Steuer für Unternehmen vor. Die genaue Implementierung des Instruments wird nun ausgearbeitet und sorgt für Unsicherheiten und Zurückhaltung bei Investitionen in den Niederlanden. Hinzu kommen auch vergleichsweise relativ hohe Energiekosten. Die Unternehmen Borealis und Ineos haben sich im vergangenen Jahr beispielsweise für Investitionen im belgischen Hafen von Antwerpen entschieden.

Sobald der Umfang der CO2-Steuer festgelegt ist, dürften die Investitionen in den Chemiesektor mittelfristig steigen. Es sind aktuell vor allem viele umweltfreundliche Projekte in der Pipeline. Beispielsweise soll in der Provinz Zeeland in ein Wasserstoffnetzwerk investiert werden.

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